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  • Weltkulturzwerge – Strauß in Kaiserswerth und die Unesco-Liste

    Weltkulturzwerge – Strauß in Kaiserswerth und die Unesco-Liste

    Tja, da hätten Sie schon dabei sein müssen, als sich am 21. Oktober la toute Kaiserswerth gegen Sonnenuntergang am Wasserloch traf, um – wie üblich – die Sensationen des Tages zu besprechen. Da Sie aber nun mal nicht dabei waren (sonst hätte ich Sie ja getroffen), muss ich Ihnen das wohl hier erzählen.

    Es begann alles damit, dass den meisten Kaiserswerthern am Morgen des besagten vorigen Dienstags wie üblich die Rheinische Post ins Haus flatterte. Auf deren Titelseite prangte bereits ein Mini-Foto mit kurzem Anreißer. Überschrift: „Weltkulturerbe Kaiserswerth?“ Im Innern des ortstypischen Bladls erläuterte ein gewisser Jörn Tüffers, dass die Ratsfraktionen von Union und Liberalen den historischen Ortskern von Kaiserswerth „als geeignet für die Unesco-Liste der schützenswerten Gebäude“ betrachteten. Deswegen würden sie am Donnerstag, dem 23.10.08, in der Sitzung des Kulturausschusses beantragen, man möge sich doch bitteschön darum kümmern „Kaiserswerth mit der Kaiserpfalz“ in ebenjene Liste aufzunehmen.

    Als Kronzeugin benannte besagter Herr Tüffers die FDP-Politikerin Monika Dübgen, deren Name – zumindest am Wasserloch, wo sich bekanntlich la toute Kaiserwerth regelmäßig bei Sonnenuntergang einfindet – niemandem geläufig war.

    Entsprechend verhalten fielen die Reaktionen am Wasserloch aus: Während der Dures (rheinisch für: Theodor) mutmaßte, dann gäb’s ja wohl weniger Nerverei wegen der ganzen Holländer-Busse (weil die Japaner-Busse diese schon verdrängen würden), wandte der Drickes (rheinisch für: Andreas) ein, der Thomas (Herr des Wasserlochs, an dem sich la toute Kaiserwerth regelmäßig bei Sonnenuntergang trifft) würde das nur als Vorwand nutzen, um den Bierpreis schon wieder zu erhöhen. Dieses Argument allerdings konterte Dietmar (der stammt nicht aussem Rheinland und heißt folglich nur Dietmar) aus, indem er konstatierte, die Bierpreiserhöhung sei ohnedies zum 1. Januar eingeplant (und der Thomas gab beklagenswert wenig Widerworte).

    Damit war das Thema durch und Sie wissen nun immerhin, dass Sie nichts verpasst haben, obwohl Sie am 21.10.08 doch lieber Fußball geguckt haben. Dennoch bleibt natürlich die bange Frage, was das denn nun soll. Der Herr Tüffers erklärt das folgendermaßen: „Die Kulturpolitiker der Mehrheitsfraktionen verweisen auf die Altstädte von Goslar, Bamberg, Stralsund und Regensburg, die bereits Weltkulturerbe sind.“

    Wohingegen die Fußgängerzone von Mönchengladbach, der Dorfplatz von Tönisvorst oder der Parkplatz vom Aldi in Duisburg-Großenbaum dergleichen Ehrungen nie erfuhren, womit dieses Argument sich als eher stumpfe Waffe erweisen dürfte. Gleichzeitig zitiert der besagte Herr Tüffers die ebenfalls bereits besagte Frau Dübgen mit folgenden Worten: „Wir müssen uns auf unsere Vergangenheit besinnen und die Schätze, die wir haben, aufpolieren.“ Dagegen ist nicht viel einzuwenden, zumal die Kaiserswerther Community in den zurückliegenden Jahren viel Zeit dafür aufgebracht hat, „die Schätze, die wir haben“, aufzupolieren. Namentlich die bereits erwähnte Kaiserpfalz, die immerhin von Kaiser Barbarossa angelegt wurde.

    Von der steht zwar nur noch die westliche Mauer und ein halber Söller (der Rest diente den Kaiserswerthern über knapp zwei Jahrhunderte als Steinbruch und schließlich als Baugrundstück für ein erzbischöfliches Gymnasium). Um allerdings die verbliebenen Restbestände zu sichern, mühte sich eine Bürgerinitiative jahrelang nach Kräften ab: Mehr oder minder Freiwillige (oftmals Zöglinge irgendeines benachbarten Berufskollegs) mischten munter Mörtel, mit dem dem Zerfall der Ruine halbwegs Einhalt geboten wurde. Als das dann tatsächlich vollbracht war (und die regelmäßigen Spenden-Schnorr-Aktionen auch eingeschworenen Kaiserswerthern das Letzte abgefordert hatten), stellte die Stadt (Düsseldorf) ein paar Schilder auf, die Touristen die historische Bedeutsamkeit des Gemäuers näher bringen sollten, und die Bürgerinitiative beklagte sich ebenso bitter wie glaubhaft, dass die Stadt sich nicht mal mit zwei Pfennig an der Sicherung des Gemäuers beteiligt habe.

    Haben wir es also mit einem akuten Fall von Weltkulturerbschleicherei zu tun? Wohl kaum. Das muss man der Frau Dübgen schon mal lassen. Die schaut nämlich mächtig weit über den Tellerrand weg und weiß womöglich ganz genau, was Kaiserswerth der Welt als Kulturerbe vermachen könnte: Das Warenhaus „Strauß“ nämlich.

    Obwohl „Strauß“ fraglos die schäbigste Fassade von ganz Kaiserswerth aufzubieten hat, ist dieses Warenhaus (weder verwandt noch verschwägert mit „Strauß Innovation“, wohl aber irgendwie mit der Kaufring-Kette verbandelt) doch ein integraler Bestandteil der Gemeinde: Sie werden keinen alteingesessenen Kaiserswerther auftreiben können, der nicht im tiefsten Innern davon überzeugt ist, dass „Strauß“ gewiss auch Reiterstandbilder anböte, wenn man nur mal Eines nötig hätte. Dennoch sind es weniger die Reiterstandbilder, die unser Warenhaus der Weltkultur zu vererben hätte, als vielmehr die Öffnungszeiten. Ich hab extra nochmal nachgesehen: Vor 13:30 Uhr bis 14:30 Uhr herrscht dort auch heute noch Mittagspause! Und um 18:30 Uhr wird dort gnadenlos zugemacht. Soll heißen: Unterstehen Sie sich ja nicht, da nach 18:00 Uhr irgendwas kaufen zu wollen. Ab 18:00 Uhr wird da nämlich Kasse gemacht. Und zwar ohne jede Diskussion.

    Und das ist genau das Erbe Kaiserwerths an die Weltkultur: Die Demut, die man nun mal aufbringen muss, wenn man nicht mal mehr „für’n Groschen Süßkram“ kaufen darf, weil der Laden nun mal gerade zumacht.

    Autor: Michael Müller für rainersche-post.de

  • Das kleine, große Dorf an der Düssel

    Das kleine, große Dorf an der Düssel

    Gedanken eines indischen Rheinländers

    Lang, lang ist’s her, doch wer hätte gedacht, dass jenes beschauliche Dorf am Rhein, im Schatten der alten Pfalzstadt Kaiserswerth, am Anfang des 21. Jahrhunderts zu einer Stadt von internationalem Ruf gelangen und seinen rechtmäßigen Platz im Konzert der großen Städte Europas einnehmen würde.

    Europa in Düsseldorf – doch ein Dorf, ja, das ist es geblieben; nicht im Kopf, sondern im Herzen. So verbindet die Stadt ihre Vorzüge und die Vielzahl von Angeboten einer weltoffenen Metropole mit dem herzlich familiären Charakter eines Dorfes. In der Tat findet man in Düsseldorf den türkischen Fussballverein und die portugiesische Folkloregruppe eben so wie den Verein zur Pflege des Brauchtums und die ein oder andere Karnevalsgesellschaft.

    Ob buddhistischer Tempel oder jüdische Synagoge, muslimische Moschee oder christliche Kirche – das Miteinander fremder Kulturen ist hier mehr als ein bloßes Bekenntnis: Es ist eine Lebenseinstellung. Ist der gemeine Rheinländer doch bekanntlich von Natur aus ein multikultureller Geselle und der Düsseldorfer vor allem ein friedliebender Mensch, der selbst dem ewigen Feind eine Bastion im Hafen zugesteht.

    Und so erfüllt es mein indisch-rheinisches Herz doch immer wieder mit Freude, wenn ich von Stress geplagt und beladen mit allerlei Eindrücken der Welt zurückkehre in das kleine beschauliche Dorf am Rhein – meinen Ruhepunkt in unserer hektischen Zeit, meine Heimatstadt an der Düssel.

    André Sarin (30), Freier Journalist und Asienwissenschaftler und in der DC als „Neo LaSalle“ unterwegs