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  • Wohntürme und Nachverdichtung in Düsseldorf

    Wohntürme und Nachverdichtung in Düsseldorf

    Düsseldorf ist als Wohnort überaus beliebt. In den vergangenen Jahren wuchs die Einwohnerzahl in der NRW Landeshauptstadt stetig an und überschritt im Jahr 2014 die Schallmauer von 600.000 gemeldeten Einwohnern. Doch die Landeshauptstadt hat mit dieser Entwicklung auch ihre Probleme.

    Entwicklungen auf dem Düsseldorfer Wohnungsmarkt

    Düsseldorf ist als Wohnort überaus beliebt. In den vergangenen Jahren wuchs die Einwohnerzahl in der NRW Landeshauptstadt stetig an und überschritt im Jahr 2014 die Schallmauer von 600.000 gemeldeten Einwohnern. Doch die Landeshauptstadt hat mit dieser Entwicklung auch ihre Probleme: die Stadt am Rhein ist von zwei bereits stark urbanisierten Kreisen umschlossen: dem Rhein-Kreis Neuss (über 450.000 Einwohner) und dem Kreis Mettmann (über 480.000 Einwohner) mit jeweils 8 bzw. 10 Gemeinden. Durch diesen Umstand ist eine flächenmäßige Ausweitung der Landeshauptstadt nahezu ausgeschlossen. Deswegen kennzeichnet sich seit einigen Jahren ein klarer Trend ab: in Düsseldorf wird verstärkt in die Höhe gebaut. Zudem ist das Thema Nachverdichtung dauerpräsent. Doch was bedeuten diese beiden Themen konkret für das Leben in der Stadt?

    Steigende Mietpreise

    Wo die Fläche begrenzt ist, geht der Blick in die Höhe. Soweit so nachvollziehbar. Jedoch waren in Düsseldorf zuletzt vor allem hochpreisige Wohnflächen gefragt – zumindest nach Ansicht vieler Immobilienexperten und Investoren. Das führte in den vergangenen Jahren dazu, dass vor allem im hochpreisigen Segment neue Projekte realisiert wurden und im Zuge dessen die Mietpreise stiegen. Zahlte man im Jahr 2011 bei einer Mietwohnung mit durchschnittlich 60 m² Wohnfläche noch 8,77 € pro Quadratmeter, so waren es 2017 bereits 10,21 €. Insgesamt lag der Mietspiegel in der Stadt mit 11,31 € pro Quadratmeter im vergangenen Jahr deutlich über dem Landes- (7,57 €/m²) bzw. Bundesdurchschnitt (7,97 €/m²).

    Hinzu kommt ein signifikanter Unterschied der Wohnbebauung in Düsseldorf zu den umliegenden Gemeinden. Ende 2011 lag der Wohnungsbestand laut Angaben der Stadt bei insgesamt 332.638 Einheiten. Nur knapp 13 Prozent davon verteilten sich auf Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern. Der überwiegende Teil ist also in Mehrfamilienhäusern zu finden. In den Kreisen Neuss und Mettmann findet man hingegen einen deutlich höheren Anteil an Ein- und Zweifamilienhausbebauung. Dieser Umstand führt zu einer sogenannten Umlandwanderung der Düsseldorfer Bevölkerung, insbesondere für den Fortzug von Familien mit Kindern.

    Die Politik versucht dieser Entwicklung seit einigen Jahren aktiv entgegenzuwirken und formulierte im Zuge dessen 2016 das Handlungskonzept ZUKUNFT WOHNEN.DÜSSELDORF für den Wohnungsmarkt. Wesentlicher Bestandteil dieses Konzepts ist eine Quotierungsregelung. Diese besagt, dass Wohnungsbauvorhaben insgesamt 40 Prozent der geplanten Wohneinheiten im öffentlich geförderten und preisgedämpften Wohnungsbau zu realisieren sind. Ein erster Schritt zur Besserung, auch wenn diese Regelungen erst auf neue Bauvorhaben anzuwenden sind.

    Herausforderung Nachverdichtung

    Da die Flächen innerhalb der Stadt begrenzt sind, ist die städtebauliche Nachverdichtung eine logische Konsequenz der Städteplaner. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) möchte durch entsprechende Maßnahmen neuen Wohnraum in bestehenden Wohngebieten erschließen. So könnten etwa Innenhöfe bebaut oder veraltete Gebäude mit niedriger Geschosshöhe abgerissen und neu bebaut werden, um zusätzliche Wohneinheiten zu schaffen. Jedoch müssen entsprechende Flächen erst gefunden und erschlossen werden, bevor man Investoren für potentielle Projekte gewinnen kann. Eine zeitintensive Aufgabe für die Stadtverwaltung.

    Der seit Jahren anhaltende Bevölkerungsanstieg bringt jedoch noch andere Probleme mit sich. So beklagen viele Bürger die wachsende Anonymisierung innerhalb der Gesellschaft. Viele Neu-Düsseldorfer kommen vor allem wegen der Arbeit und bleiben meist nur für einige Jahre. Soziale Kontakte werden eher spärlich aufgebaut, so dass das gesellschaftliche Miteinander leidet. Hinzu kommt ein wachsendes Sicherheitsbedürfnis innerhalb der Gesellschaft, das durch kritische Einbruchzahlen befeuert wird. Zwar war diese Entwicklung zuletzt wieder rückläufig, dennoch raten Experten nicht ohne Grund, beim Verlassen der Wohnung die Haustür immer abzuschließen – auch wenn man die Wohnung nur kurzzeitig verlässt. Sollte der Schlüssel verlegt oder vergessen werden, kann ein lokaler Schlüsseldienst die Haustür notfalls professionell öffnen. Ein inzwischen gängiger Trend, da viele ihren Zweitschlüssel aufgrund der steigenden Anonymisierung seltener beim Nachbarn hinterlegen.

    Wohnen in der Innenstadt besonders beliebt

    Besonders gefragt sind in Düsseldorf weiterhin die zentrumsnahen Stadtteile. Besonders hoch im Kurs stehen dabei Golzheim und Pempelfort, dicht gefolgt von Bilk und Flingern. Besonders hochpreisig wohnt man in den linksrheinischen Stadtteilen Oberkassel und Niederkassel oder im Hafen (über 10,50 pro Quadratmeter), sowie in den nördlichen Stadtteilen Kaiserswerth und Wittlaer. Deutlich günstigeren Wohnraum kann man hingegen in den Randbezirken finden, etwa im eher ländlich geprägten Hubbelrath. Mit Quadratmeterpreisen von unter 8,40 € sind auch Garath, Hassels oder Himmelgeist verhältnismäßig günstig.

  • Schmelztiegel Schumacher – Was es wirklich ist, was Düsseldorf ausmacht, liebe Auswärtige!

    Schmelztiegel Schumacher – Was es wirklich ist, was Düsseldorf ausmacht, liebe Auswärtige!

    Liebe Auswärtige, nur ungern verrate ich euch ein Geheimnis. Ja, im Zentrum von Düsseldorf gibt es einen Ort wie er typischer für unsere kleine Großstadt nicht sein könnte.

    Bei besagtem Ort handelt es sich um eine Art Mischung aus Kneipe und Restaurant, aber eigentlich um ein Brauhaus. Im Innenhof wird eines der besten Biere dieses Planeten, das wohlschmeckende Schumacher Alt, hergestellt, welches man im Inneren frisch aus dem Holzfass gezapft genießen kann, ach, was sage ich, MUSS. Ihr Altstadttouristen aus Berschheim, Fellbärt, Bottroppp, Rämscheit und von hinter Mönschenjlabach, ihr haltet euch bitte fern und macht mit eurem tumben Amüsiertrieb weiterhin die längste Theke der Welt zu einer Vorhölle. Denn der Brauereiausschank Schumacher an der Oststraße ist ein Platz für angenehme Erwachsene.

    Und ein Schmelztigel zugleich. Grad gestern – ich saß mit einem gleichaltrigen Düsseldorf Jong plaudernd beim Biere – ergab es sich, dass ein Mann deutlich asiatischer Herkunft die Schwemme betrat, den Köbes anlachte und (fast wie in der Paulanerwerbung…) ein Geste machte, die als Bestellung gelten sollte. Der Köbes (was die Düsseldorfer Form von “Jakob” ist; hierorts kürzt man Männernamen vorwiegend mit der Endsilbe ab; der Döres ist da der Theodor, der Manes heißt eigentlich Hermann und so weiter) grinste zurück und sagte: “Flaschen kriegste da am Büdschen…”. Natürlich wollte der Gast ein 0,25-Liter-Glas voll des goldbraunen Getränks. Und bekam es dann auch umstandslos.
    Bei unseren Japanern – Düsseldorf beherbergt, nach London, die zweitgrößte japanische Gemeinde – ist das Schumi Ost, so der Kosename, äußerst beliebt. Ein Kollege aus dem Land der roten Sonne, der sich nach einer großen Karriere bei einem japanischen Unternehmen entschlossen hat, hier zu bleiben, nachdem man ihn zurück nach Tokio versetzen wollte, berichtete einst, dass praktisch jeder Neuankömmling von seinen Kollegen ins Schumacher geschleift wird, wo er dann wahlweise Eisbein oder Haxe essen muss. Bei den Erstversuchen zuzuschauen kann immer wieder Spaß machen.

    Multikulti

    Aber es sind nicht nur unsere Japaner. Diejenigen unter den Düsseldorfer Taxifahrern, die Düsseldorfer sind und sich in Düsseldorf auskennen, also eine Minderheit, empfehlen Messegästen gern das Schumi Ost. Dementsprechend voll ist die Wirtschaft in solchen Tagen. Und unglaublich multikulti. Ich bin persönlich schon mit Menschen aus folgenden Nationen beim Altbier ins Gespräch gekommen: USA, Großbritannien, Schweden, Norwegen, Finnland, Korea, Indien, DR Kongo, VR China, Japan, Österreich, Schweiz, Dänemark, Argentinien. Man kommt ins Gespräch, denn zur Düsseldorfer Brauhauskultur (vertreten auch durch dat Uerige, dat Füchschen, dä Schlüssel und das Schumacher in der Altstadt, sowie das Frankenheim am Wehrhahn gehört es, dass man sich grundsätzlich zu anderen an den Tisch setzt, guten Tag oder Abend sagt und ein kommunikatives Gesicht aufsetzt. Idealtypisch für dieses Verhalten ist die Schwemme im Schumi Ost.
    Dieser wenig einladende Begriff bezeichnet den Teil der Wirtschaft, in dem man an Stehtischen lümmelt und das Essen von der Speisekarte nur auf besonderen Wunsch bekommt. Dafür wird hier das Bier in kürzeren Zyklen nachgereicht. Übrigens: Man kriegt so lange ungefragt ein volles Glas serviert bis man explizit abwinkt. Jedenfalls gehört das Reden dazu. Denn das ist rheinisch. Der Rheinländer lebt, um zu leben. Hört er mit dem Reden auf, ist der Rheinländer tot. Und in der Schumi-Schwemme kann man mit jedem über alles reden.

    Musikfrei

    Überaus erfreulich auch, dass das Schumacher komplett musikfrei ist. Es wäre auch eine Schande, würde man den spezifischen Sound des Brauhauses mit irgendwelcher Quatsch übertünchen. Der Soundtrack zum Bier besteht aus dem Klingel der Gläser an der Zapfstation, dem Murmeln der Gäste und dem gelegentlich Beat, der beim Anschlagen eines neuen Fasses entsteht – das passiert abends etwa alle 30 bis 40 Minuten.

    Ausnahmen bestätigen die Regel. Im Winter stolperte ich versehentlich während der Karnevalssession ins Schumi, ausgerechnet an dem Abend, für den der Prinz und seine Venetia ihren Besuch angekündigt hatten. Da gab man im Saal eine Sitzung. Und aus unerfindlichen Gründen übertrug man das unlustige Geschehen per Lautsprecher auch in die Schwemme. Es war furchtbar.

    Lecker Essen

    Billig ist es nicht im Schumacher. Das Viertelliterglas Schumacher Alt kostet 1,70. Die Speisekarte beherbergt Deftiges zu schweren Preisen. Die Palette reicht von den Imbissen – dazu gleich mehr – sowie Eisbein, Haxe, Sauerbraten und derlei Fleischeslust. Düsseldorfer Spezialitäten wie der Pillekuchen (ein Mischling aus Kartoffelpuffer und Rösti, der mit Rübenkraut, dem Sirup der Zuckerrübe, gewürzt wird) stehen auch auf dem Menü. Legendär sind die Frikadellen aus eigener Zucht, Bremsklötze von gut 250 Gramm Gewicht, die mit Zweibelringen und einem See aus feinstem Düsseldorfer Mostert serviert werden. Häppchen heißen die Teller, auf denen Röggelchen (Zwillingsbrötchen aus Roggenmehl) mit Käse und vor allem Schweinemett gereicht werden. Dieses spezielle Mettbrötchen heißt im Volksmund auch “Rheinisches Sushi” und gehört einfach dazu. Leider liegen die Gerichte allesamt am oberen Ende der Preisskala; die Frikadelle kostet 2,20, der Satz (zwei halbe) Mettbrötchen sogar 3 Euro.
    Wer verfeinerte Küche und eine reiche Getränkeauswahl erwartet, ist im Schumi Ost am falschen Ort. Man trinkt Alt. Oder Mineralwasser, eventuell auch mal ne Cola oder Limo. Notfalls wird auch ein roter und ein weißer Wein serviert, aber wirklich nur im Notfall. Schnäpse gibt es auch, aber eigentlich ist nur der Original Düsseldorfer Killepitsch stilrein.

    Im Prinzip müsste man jeden ächten Düsseldorfer oberhalb 18 Jahren gesetzlich dazu verpflichten, wenigstens drei- oder viermal im Jahr einen Abend im Schumi Ost zu verbringen und so zu lernen, was es wirklich ist, was Düsseldorf ausmacht. Und ihr, liebe Auswärtige, ihr seid herzlich eingeladen, mal rein zu kommen und mit uns bessken zu quatschen. Beim Schumacher.

    Autor: rainer’sche-post

  • Der Südpark – Central Park Düsseldorf

    Der Südpark – Central Park Düsseldorf

    In buntem Multikultitreiben verbinden sich die Rhythmen der Welt zum städtischen Soundtrack. Eine Ode an den Südpark in Düsseldorf.

    Ein bisschen Größenwahn steht uns Düsseldorfern ganz gut. Also ist es angemessen, den hiesigen Südpark mit dem Central Park von New York City und auch dem Englischen Garten in München zu vergleichen. Tatsächlich ist der Münchner Park entlang der schmalen Isar mit fast 380 Hektar noch größer als der Central Park (330 Hektar). Da kann der Südpark mit seinen rund 70 Hektar nicht mithalten. Gut, wenn man die Fläche in Stoffeln und den Botanischen Garten der Uni hinzurechnet, dann ist der Unterschied nicht mehr gar so groß. Aber: Size doesn’t matter. Und es kommt drauf an, was man draus macht. Die Düsseldorfer machen an schönen Wochenenden – wie dem vergangenen – eine waschechte urbane Grünanlage aus diesem Park, der in seiner jetzigen Form erst zur Bundesgartenschau (Buga) 1987 entstanden ist. Dann kommt originäres Central-Park-Feeling auf.

    Denn auf den Wegen und Wiesen wird Sport getrieben, gegrillt und musiziert bis weit nach Sonnenuntergang. Legendär ist mittlerweile das Trommlertreffen am Volksgartenhügel. Jeder der eine Trommel halten und schlagen kann oder sonstwie rhythmische Geräusche zu produzieren in der Lage ist, kann mitmachen. Schon jenseits von Hennekamp und Kaiserlauterner Straße hört man den dumpfen Beat der großen Congas. Nähert man sich dem Musikspielplatz, lassen sich Bongos unterschieden, Klanghölzer, auch Tablas und Rahmentrommeln. In buntem Multikultitreiben verbinden sich die Rhythmen der Welt zum städtischen Soundtrack (Boah, was für ein feuilletonesker Satz!). Inzwischen bietet dieser Platz auch den späten und den neuen Hippies eine Bühne für den Ausdruckstanz und den Genuss bewusstseinserweiternder Pflanzen. Da kommt zusammen, was zusammengehört.

    Seit Jahren wird von den scharfen Sheriffs, die sich hier OSD nennen dürfen, auch das Grillen auf den Wiesen toleriert. Und so wird die Wiese am Weiher gerade an Sonntagen zur multiethnischen Großküche. Der Duft von Grillwürstchen geht in einer Wolke aus gegrilltem Lamm, Huhn, Fisch und Knoblauch unter. Großfamilien schleppen den halben Hausstand ran, und die Oma darf auf dem bequemen Stuhl sitzen. Das alles geschieht in einer beunruhigenden Friedlichkeit vonstatten. Die russischen Alkoholexzesse finden erst in der Nacht und in den Winkeln des Parks statt. Wo man hocken kann, finden sich morgens die Wodkaflaschen in Reih und Glied.

    Noch ist er nicht wieder in Betrieb, der Wasserspielplatz, den ich schon aus meiner eigenen Kindheit kenne. Damals galt diese Anlage mit Klettergerüsten, aus denen das Wasser spritzte bundesweit als einzigartig. In den heißen Sommern von 1958 und 1959 holten wir Kinder von der Corneliusstraße uns dort die nötige Abkühlung. Gleich anschließend breitet sich die Ballonwiese aus, die so heißt, weil früher dort gelegentlich Fessel- und Heißluftballons starteten. Heute ist der Rasen Schauplatz internationaler Fußballmatches. Da trifft Ghana auf Kroatien. Der Sieger muss gegen Albanien ran, wenn nicht doch die Italiener gegen Deutschland verlieren. Bis zu zehn Fußballplätze werden hier gleichzeitig betrieben, und bei manchen Begegnungen stehen mobile Tore bereit und nicht bloß Kleiderbündel.

    In den fünfziger und sechziger Jahren war die Ballonwiese übrigens der Ort, an dem irgendeine Sozentruppe immer den Tag des Kindes veranstaltete, ein Bundefest mit allerlei Belustigungen. Außerdem war hinter der Ballonwiese Schluss mit Park, denn der Südpark war noch nicht erfunden. Bis heute rätsele ich darüber, was denn damals zwischen der Ballonwiese und der Kaiserslauterner Straße war. Einen Maschendrahtzaun gab es und dichtes Gebüsch.

    Zur Buga 87 wurde der Volksgarten um den Südpark erweitert. Auf dem Gelände dort gab es seinerzeit Kleingartengelände, ein Stückchen Werstener Landwirtschaft und eine Menge Brachland – u.a. die Fläche einer ehemaligen Ziegelei. Ich gestehe, dass ich in den Jahren 83 bis 86 im Auftrag der Grünen im Stadtrat heftig gegen den neuen Park gearbeitet habe. Vor allem weil für die Buga eine Menge Schrebergärten, teilweise mit altem Baumbestand, verschwinden mussten. Heute bin ich heilfroh, dass dieser wunderbare Park so entstanden ist.

    Am eigentlichen Volksgarten wurde zum Glück nur wenig verändert. Übrigens: Das Stück Land zwischen Hennekamp und Philippshalle war ein Geschenk der von den Düsseldorfern heiß geliebten Jakobe von Baden an die Bürger, was während der Buga-Planung zu einem kleineren juristischen Scharmützel führte, ob die Stadtverwaltung überhaupt über das Gelände verfügen dürfte.

    Ein Highlight des Südparks sind sicher die Mustergärten an der Ostseite. Hier finden sich Beispiele für Rosen-, Wasser-, Stein- und Kräutergärten. In den Winkeln und Ecken der Gärten kann man ruhig sitzen, sich die Botanik und den Himmeln anschauen und Frieden in der Stadt finden. Liebevoll und fachgerecht gepflegt werden die Gärten von den Kollegen der Werkstatt für angepasste Arbeit, die ihre Gebäude im Südwesten haben. Die Kleingartenvereine, sowohl die angestammten, als auch die für die Buga umgesiedelten, sind in den Park integriert und können durchwandert werden wie alle anderen Bereiche.

    Da jeder Verein auch ein Vereinsheim hat, ist der Südpark auch ein Eldorado der Biergärten. Besonders empfehlenswert sind Terrasse und Küche des KGV Stoffeln am Südende des Parks. Einer der schönsten gastronomischen Plätze ist aber ganz bestimmt das Bootshaus am Weiher, wenige Schritte entfernt vom Eingang am Hennekamp. Im Sommer wird die Holzterrasse über dem stillen See bewirtschaftet. Man sitzt unter Bäumen, isst und trinkt und lässt es sich in Ruhe gut gehen. Direkt hinter der Philippshalle hat AKKI sein Quartier. Diese Institution rund um Kultur und Kunst für Kinder besteht seit über 25 Jahren, ist bundesweit berühmt für das Drachenfest auf den Rheinwiesen im Herbst und vor allem das sommerliche Düsseldörfchen; einem Kindercamp, das in vier Wochen von Null aus eine eigene kleine Stadt schafft und bewirtschaftet. AKKI ist auch Betreiber des Biergartens Vier Linden. Dort stehen Bierbänke unter den namensgebenden Bäumen, man bekommt gut gekühlte Getränke. Wer auch essen möchte, kann entweder selbst grillen – Grills stehen in der Sommersaison an ausgewählten Tagen bereit – oder vom Tresen aus das Pizzataxi bestellen. Und jeweils dienstags, mittwochs, freitags und samstags verwandelt sich das Vier Linden in ein lauschiges Open-Air-Kino.

    Natürlich kriegen im Südpark auch Kinder aller Altersklassen, was sie wollen. Neben dem Wasserspielplatz lockt ein weiterer Spielplatz mit turmhohen Seilklettergerüst neben dem Gelände des Fußballvereins Schwarz-Weiß. Dann ist da auch noch der Streichelzoo am Cafe im Südpark. Neben dem SC Schwarz-Weiss hat auch die TG 81 ihren Sportplatz im Park. Auch hier lässt sich Rast machen und ein Getränk einnehmen. Legendär das Reggae-Festival auf dem Gelände der TG 81, das leider in den letzten Jahren ausgefallen ist.

    Wer als Neudüsseldorfer noch nie im Südpark war, sollte sich einen schönen Tag aussuchen und zu Fuß oder per Rad durch unseren Central Park streifen. Und Düsseldorfer, die lange nicht mehr dort waren, sollten unbedingt mal wieder in Düsseldorfs größtem und schönsten Park vorbeischauen!


    Autor: rainer’sche-post

  • Der Düsseldorfer Kö-Bogen – Eine kritische Beleuchtung

    Der Düsseldorfer Kö-Bogen – Eine kritische Beleuchtung

    Als 1995 die neue Düsseldorfer Rheinpromenade eröffnet wurde, stand ich mit Tränen in den Augen am Burgplatz. Die natürliche Verbindung zwischen der Altstadt und dem Fluss war wieder hergestellt. Anstelle der stark befahrenen Durchgangsstraße mit ihren schmalen Gehwegen war nun Fläche für Menschen da. Möglich wurde das durch die Untertunnelung der späteren Promenade von der Oberkasseler Brücke bis zur Gladbacher Straße. Dieses Projekt war die Großtat der Düsseldorfer Stadtplaner nach den autofreundlichen Tamms-Desastern der fünfziger und sechziger Jahre, die der Stadt als einzig Positives eine Reihe ästhetisch ansprechender Rheinbrücken eintrug.

    Jetzt geht es darum, eine der hässlichsten und menschenunfreundlichen Ecken der Stadt neu zu gestalten. Auch wenn die Planungsprotagonisten aus dem Umfeld der Erwinista gern und euphemistisch vom „Kö-Bogen“ reden – verhandelt wird die Abschaffung des Jan-Wellem-Platzes. Wer Düsseldorf nicht kennt, wird kein Bild von diesem „Platz“ haben, der keiner ist. Einfach ausgedrückt handelt es sich um die Freifläche zwischen der Schadowstraße und dem Hofgarten, der seit Jahrzehnten als Straßenbahn- und Buskontenpunkt dient. Das am Ende der Prachtmeile Königsallee. Das Gelände geht übergangslos in den so genannten Schadowplatz über, der eine kleine, wild beparkte Freifläche ist, und setzt sich unter der „Tausendfüßler“ genannten Hochstraße als „Tuchtinsel“ fort.Schon seit etwa 2000 wird an Planung für die Veränderung dieses Areals gewerkelt. Dabei standen von Anfang an unterschiedliche Ansätze und Vorstellungen gegeneinander. Einig waren sich alle Beteiligten in der Grundsatzfrage der Ästhetik: Der hässliche Jan-Wellem-Platz sollte weg. Aber schon bei Fragen der urbanen Gestaltung zeigten sich Konflikte. Grob gesagt plädiert die eine Seite für mehr Platz für Bürger, die andere für mehr Bauraum im Herzen der Stadt. Hinzu kamen auch Gegensätze bei der Verkehrsplanung. Sicher war und ist, dass der Straßenbahnverkehr in Ost-West-Richtung am Jan-Wellem-Platz nach dem Bau der U-Bahn im Zuge der so genannten „Wehrhahnlinie“ wegfallen würde. Weitgehende Einigkeit bestand auch darin, den Autoverkehr zwischen dem Hofgarten und dem am Ende der Kö gelegenen Corneliusplatz zu beseitigen. Da es keine andere Möglichkeit für eine Ost-West-Verbindung in Richtung Altstadt gibt als die existierende Maximillian-Weyhe-Allee, die den südlichen vom nördlichen Hofgarten trennt, kam sehr früh eine Tunnellösung in Frage.

    Und aus dieser Überlegung entstand unter der Leitung des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Joachim Erwin ein Gesamtkonzept, das nun durch ein Bürgerbegehren aufgehalten werden soll. Ausgangspunkt war das Problem der Finanzierung von Straßentunneln. Denn wenn schon ein Ost-West-Tunnel gebaut werden müsste, dann brächte der Bau einer Nord-Süd-Untertunnelung des Areals noch mehr Fläche für die zukünftige Gestaltung. Wohlgemerkt: Zu diesem Zeitpunkt war vom „Kö-Bogen“ noch nicht die Rede, sondern von einer Planung für den Jan-Wellem-Platz. Schnell wurde klar, dass eine weitgehende Untertunnelung Kosten erzeugen würde, die nicht einmal die Stadt Düsseldorf würde stemmen können. So brachte Joachim Erwin auf der Immobilienmesse Midem 2003 in Cannes eine Lösung für den so genannten „Kö-Bogen“ ins Spiel. Die Idee: Würde die Stadt Teil des Areals an einen privaten Investor veräußern, könnte mit dem Erlös die gewünschte „große“ Lösung finanziert werden. Anstatt aber auch öffentlich so zu argumentieren, wurde begonnen, mit einer jahrhundertealten Tradition des Kö-Bogens zu hantieren. Nun hieß es, es habe immer schon ein Verbindung zwischen dem Hofgarten und der Kö gegeben, die bogenfömig um den Teil des Parks mit dem „Landskrone“ genannten Weiher gegeben. Aus dieser Sicht sei das Gebiet zwischen Schadowplatz und Hofgarten geradezu natürlicher Baugrund. Weiter wurde mit Hilfe aufwändiger Broschüren und Computeranimationen suggeriert, nur die Kö-Bogen-Lösung sei der Tradition von Königsallee und Hofgarten angemessen. Im Hintergrund wurden aber schon 2003 und 2004 Absprachen mit der Trinkaus-Bank, einer Tochter des globalen Bankengiganten HSBC, über den Verkauf der Grundstücke geführt. Nach der üblichen, demokratieallergischen Methode des OB sollten die Düsseldorfer Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Kern der Planung sind zwei 26 Meter hohe Baukörper mit schmalem Durchgang an der Stelle, an der sich heute die Straßebahn- und Busbahnsteige sowie die Verbindungsstraße von der Kaiserstraße in die Altstadt befinden. Diese Bauten sollten von der Trinkaus-Bank erstellt und genutzt werden – in den Erdgeschossen sind die üblichen Edelläden und Nobelcafés vorgesehen. Natürlich gibt es in der Erwin’schen Stadtphilosophie immer mehr zu bebauen. So wurde ebenfalls unter dem Signum „Kö-Bogen“ klammheimlich ein Gebäude am Rande des Gustaf-Gründgens-Platzes und ein weiteres zwischen der Johanneskirche und dem Peek-und-Cloppenburg-Kaufhaus eingesetzt. Letzteres wäre nur möglich, wenn der so genannte „Tausendfüßler“, eine unter Denkmalschutz stehende Hochstraße, die Kaiserstraße und Berliner Allee verbindet, fallen würde. Kurz gesagt lautet das Rezept: Gigantische Stadtveränderung durch Verkauf von Tafelsilber.

    Nachdem sich erster Widerstand – zunächst aus dem Kreis der Architekten und Stadtplaner – regte, ließ der OB eiligst eine Bürgerbeteiligung organisieren. Nun sollten die Bürger, formlos und ohne bindende Wirkung, über die Fassadengestaltung der Bauten am Kö-Bogen abstimmen. Nur wenige Düsseldorfer waren blauäugig genug, sich an dieser Aktion zu beteiligen. Statt dessen bildete sich eine Bürgerinitiative, die unter dem Motto „Der Jan-Wellem-Platz gehört uns“ verlangte, die bisherige Planung zu stoppen und einen städtebaulichen Ideenwettbewerb zu starten. Auf übliche Weise versuchte die regierende Kamarilla das geplante Bürgerbegehren zu verhindern – u.a. durch einen verwaltungsrechtlichen Trick, der aber von der Justiz kassiert wurde. Da aber in NRW Bürgerbegehren keine aufschiebende Wirkung bei der Bebauungsplanung haben, entschied sich die Initiative, gegen den Verkauf der Grundstücke zu arbeiten. Würde der Verkauf verhindert, gäbe es keine Finanzsicherheit bei der Gesamtplanung, so die Überlegung der Bürger. Nun sind alle Düsseldorfer Bürger am 13.04.2008 aufgerufen, über den Verkauf abzustimmen. Die Frage lautet kurzgefasst: Sind Sie dafür, dass die Grundstücke NICHT verkauft werden? Wer also mit JA stimmt, wünscht, dass die Grundstücke im Besitz der Stadt verbleiben und so die Planung gestoppt bzw. aufgehalten wird, um Zeit für einen offenen Städtebauwettbewerb zu gewinnen, der möglicherweise ganz andere Lösungen umfassen würde, die mehr Bürgernähe und -freundlichkeit enthalten.

    Alternative Konzepte gibt es bereits; allerdings sind diese samt und sonders nicht so detailliert wie die offizielle Planung der Erwinista. Es gibt Vorstellungen, den Hofgarten in Richtung Kö und Schadowplatz zu erweitern oder ebendiesen Schadowplatz mit angemessener Bebauung zum Platz zu fassen und die weitere Freifläche Richtung Hofgarten ohne Großbauten, dafür aber bürgerfreundlich und kulturorientiert zu nutzen. Auch das Tunnelkonzept ist umstritten, da alle Ein- und Ausfahrtrampen erhebliche städtebauliche Einschränkungen mit sich bringen. So würde die Rampe an der Elberfelder Straße – zwischen dem Parkhotel und dem historischen Kaufhofgebäude die Fußgängerverbindung zur Oper kappen, die Rampen an der Maximillian-Weyhe-Allee gingen auf Kosten von Hofgartenfläche, und die Rampe an der Schadwostraße könnte nur zu Lasten der Fußgänger realisiert werden. Kritisiert wird auch die Bebauung des Platzes vor dem Schauspielhaus – hier fordern Architekten schon seit Jahrzehnten eine geschlossene Lösung, die aus dem öden Platz eine belebte Fläche macht. Schließlich gibt es eine breite Front von Leuten, die gegen den Abriss des Tausendfüßlers sind, der ja auch eine Art Wahrzeichen für das Nachkriegs-Düsseldorf ist.

    Meine Haltung ist: Ein eindeutiges JA zum Bürgerbegehren. Und zwar eindeutig mit dem Ziel, die Planung dieser einschneidenden Stadtveränderung auf breite, demokratische Füße zu stellen. Ich bin ganz eindeutig für die Umgestaltung des Geländes. Eine Verbindung zwischen Kö, Corneliusplatz und Hofgarten inklusive Angleichung der Niveaus, die Unterführungen überflüssig macht, fände ich ebenso toll wie ein Vergrößerung des Parks, mindestens um die Fläche, die heute von der Straße eingenommen wird. Ich bin gegen den Ost-West-Straßentunnel – ich halte die Planung in dieser Sache verkehrstechnisch für falsch. Die bestehenden Ost-West-Verbindungen an der Maximilian-Weyhe-Allee und an der Benrather Straße reichen aus. Einen Nord-Süd-Tunnel halte ich dagegen für sinnvoll, den Abriss des Tausendfüßlers im Zuge der Untertunnelung auch. Ich bin ganz eindeutig gegen 26 Meter hohe Bürobauten auf dem Jan-Wellem-Platz und für ein Zusammenwachsen der östlichen mit den westlichen Hofgartenteilen inklusive der Tieferlegung der Straßenbahn im Bereich zwischen Berliner Allee und Kaiserstraße. Ich plädiere zudem für eine von der Jan-Wellem-Platz-Angelegenheit abgetrennte Rundumplanung für den Gustaf-Gründgens-Platz. Und vor allem bin ich der Ansicht, dass alle diese Planungen nur unter massivster Einbindung der interessierten Bürger stattfinden dürfen. Deshalb werde ich am 13.04. mit JA stimmen.

    Autor: Rainersacht

  • Das kleine, große Dorf an der Düssel

    Das kleine, große Dorf an der Düssel

    Gedanken eines indischen Rheinländers

    Lang, lang ist’s her, doch wer hätte gedacht, dass jenes beschauliche Dorf am Rhein, im Schatten der alten Pfalzstadt Kaiserswerth, am Anfang des 21. Jahrhunderts zu einer Stadt von internationalem Ruf gelangen und seinen rechtmäßigen Platz im Konzert der großen Städte Europas einnehmen würde.

    Europa in Düsseldorf – doch ein Dorf, ja, das ist es geblieben; nicht im Kopf, sondern im Herzen. So verbindet die Stadt ihre Vorzüge und die Vielzahl von Angeboten einer weltoffenen Metropole mit dem herzlich familiären Charakter eines Dorfes. In der Tat findet man in Düsseldorf den türkischen Fussballverein und die portugiesische Folkloregruppe eben so wie den Verein zur Pflege des Brauchtums und die ein oder andere Karnevalsgesellschaft.

    Ob buddhistischer Tempel oder jüdische Synagoge, muslimische Moschee oder christliche Kirche – das Miteinander fremder Kulturen ist hier mehr als ein bloßes Bekenntnis: Es ist eine Lebenseinstellung. Ist der gemeine Rheinländer doch bekanntlich von Natur aus ein multikultureller Geselle und der Düsseldorfer vor allem ein friedliebender Mensch, der selbst dem ewigen Feind eine Bastion im Hafen zugesteht.

    Und so erfüllt es mein indisch-rheinisches Herz doch immer wieder mit Freude, wenn ich von Stress geplagt und beladen mit allerlei Eindrücken der Welt zurückkehre in das kleine beschauliche Dorf am Rhein – meinen Ruhepunkt in unserer hektischen Zeit, meine Heimatstadt an der Düssel.

    André Sarin (30), Freier Journalist und Asienwissenschaftler und in der DC als „Neo LaSalle“ unterwegs